4.2.1 Theoretischer Diskurs

Die duale Berufsausbildung kann mit dem sinnvollen Einsatz digitaler Medien neue Bildungskonzepte etablieren und individuelle Lehr- und Lernformen erschließen. In Projekten werden aktuell unterschiedlichste Formate des digitalisierten Lernens in der dualen Berufsausbildung ausgetestet, von VR-Simulationen und dem game-based Learning in Pflegesimulationen, über virtuelles Training von Notfallsanitätsfachkräften mit Serious Games bis hin zu Trainingssimulationen für Schweißerinnen und Schweißer ist die Bandbreite an Möglichkeiten scheinbar unendlich (BMBF 2018, S. 13-25). Um die Schulen mit den notwendigen Modernisierungsprozessen im digitalen Wandel zu unterstützen, wurde der DigitalPakt gegründet. Hierbei handelt es sich um eine Strategie, leistungsfähige digitale Infrastrukturen für Bildungseinrichtungen auszubauen, in dem der Bund die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt und die Länder sich dazu verpflichten, digitale Bildung zu realisieren (vgl. BMBF 2016, S. 22ff.). Mit der Dachinitiative Berufsbildung 4.0 hat das BMBF 2016 eine Offensive zur Förderung von Programmen und Initiativen gestartet. Dabei geht es unter anderem um die Förderung der Fachkräftequalifikation sowie benötigter Kompetenzen, die Entwicklung und den Einsatz bedarfsgerechter digitaler Medien in der beruflichen Bildung oder auch Strategien um die Ausbildung in der Wirtschaft 4.0 zu fördern (vgl. BMBF 2017).

Die JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi)Media) vom medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) aus dem Jahr 2016 liefert Grundlagendaten zur Mediennutzung Jugendlicher in Deutschland. Aus der Studie geht hervor, dass die Lebenswelt der Jugend (zwölf- bis 19-Jährige) durchweg digitalisiert ist (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2016, S. 55ff.). „In praktisch allen Familien mit Zwölf- bis 19-Jährigen sind Mobiltelefone, Computer/Laptop, Fernsehgeräte sowie ein Internetzugang vorhanden“ (ebd. S. 55). Auch die Jugendlichen selbst haben mit 95% fast alle ein eigenes Smartphone und drei Viertel besitzen einen eigenen PC oder Laptop (vgl. ebd.). An einem durchschnittlichen Wochentag beträgt die Internetnutzungsdauer der Jugendlichen etwa 200 Minuten (vgl. ebd. S. 56). Der Instant-Messenger-Dienst WhatsApp wird von 95% der Zielgruppe benutzt (vgl. ebd). Während fast die Hälfte das Smartphone in der Schule nicht benutzen oder erst gar nicht mitbringen dürfen, so ist 32% die Nutzung in der Pause erlaubt, wohingegen 22% der Probandinnen und Probanden angaben, das Smartphone im Unterricht für den Unterricht benutzen zu dürfen (vgl. ebd. S. 47).

Die Sonderstudie "Schule Digital" der Initiative D21 kommt zu dem Ergebnis, dass Schulen unzureichend ausgestattet sind um digitale Lehre betreiben zu können, denn veraltete Technik und schwache Bandbreiten sind zu häufig der Standard (vgl. Initiative D21 2016). Die Administration und Wartung der Technik in Schulen wird meistens von den Lehrkräften übernommen, welche ihre eigenen mangelnden Digitalkompetenzen als Hürde betrachten, so die Studie (vgl. ebd. S. 13). Auch in unserem Projekt mussten diverse Plug-Ins und Software- wie auch Hardwareprobleme von den Lehrkräften und SuS selbst behoben werden – nicht immer mit Erfolg. Eine grundlegende Gelingensbedingung ist laut der Studie eine „flexibel nutzbare IT-Ausstattung an Schulen, die professionell betreut wird“ (ebd. S. 31). Auch wir im Projekt haben gemeinsam mit den Lehrkräften festgestellt, wie wichtig eine zentrale, gebündelte Instanz in der Schule ist, die sich um die professionelle Betreuung und Wartung von den für die digitalen Lernszenarien notwendigen Geräte kümmert. Die Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften zum Themenfeld der Digitalisierung strukturell verankert werden müssen, um den komplexen Anforderungen digitaler Medien gerecht werden zu können. Auch unsere Lehrkräfte sprechen sich für einen sehr sensiblen Prozess in diesem Bereich aus. Hier die Handlungsempfehlung der Studie, die sich mit unseren Ergebnissen stark deckt:

Zitat

„Verbesserung der IT-Ausstattung aller Schulen sowie Professionalisierung der Administration und Wartung des gesamten schulischen IT-Netzwerks. Hierzu bedarf es eines standardisierten Ausstattungs- und IT-­Konzepts, leistungsfähiger Internetzugänge und WLAN­-Netzwerke sowie eines reibungslosen technischen Supports, wie er in Behörden und Wirtschaftsunternehmen bereits selbstverständlich ist. Die Betreuung durch Lehrkräfte, zu über 70 Prozent in den Schulen üblich, überfordert sie zeitlich und fachlich und ist weder zielführend noch verantwortbar". (ebd.).